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Goldrausch in China: Preise über 4.000 Dollar pro Unze

Goldrausch in Chinas Goldhauptstadt: Zhaoyuan als Epizentrum des Booms

In der nordchinesischen Stadt Zhaoyuan, seit alters her als Chinas Goldhauptstadt bekannt, erlebt der Goldmarkt einen unvergleichlichen Aufschwung. Täglich strömen rund 40.000 Touristen in die Goldwaschanlagen, angelockt vom Versprechen, selbst Gold zu finden – ein moderner Goldrausch, der an die Pionierzeiten des 19. Jahrhunderts erinnert (DW, 31.12.2025). Parallel dazu klettern die Goldpreise auf nie dagewesene Höhen: Ende Dezember 2025 überschritt der Spotpreis die Marke von 4.549,71 US-Dollar pro Feinunze, ein Rekordhoch getrieben von geopolitischen Spannungen, Zinssenkungserwartungen der Fed und massiven Zentralbankkäufen (Mining.com, 29.12.2025).

Dieser Boom ist jedoch mehr als ein lokales Phänomen. Er spiegelt Chinas strategische Wende wider, Gold nicht nur als Rohstoff, sondern als geopolitisches Instrument zu nutzen, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu mindern. Peking wirbt aktiv um internationale Goldlagerbestände und baut eigene Reserven aus – bis Ende November 2025 auf 74,12 Millionen Feinunzen (Mining.com). Gleichzeitig belastet der Preisanstieg mit einem Jahreszuwachs von rund 72 Prozent im Jahr 2025 – dem stärksten seit 1979 – Chinas dominante Schmuckindustrie, die unter schwachem Konsum und entfallenen Steueranreizen leidet (DW).

> „Es ist eine Freude“, schwärmt ein Tourist beim Goldwaschen in Zhaoyuan (DW, 31.12.2025).

Dieser Artikel analysiert die Facetten dieses Goldrauschs: vom lokalen Tourismusboom über globale Preisdriver bis hin zu Pekings strategischen Ambitionen und den wirtschaftlichen Belastungen. Was bedeutet dieser Trend für die Weltwirtschaft in einer Ära zunehmender Unsicherheit?

Zhaoyuans tausendjährige Goldtradition und der Tourismus-Boom

Zhaoyuan in der Provinz Shandong kann auf über 1.000 Jahre Goldabbau zurückblicken, eine Geschichte, die bis in die Kaiserzeit reicht, als Gold Symbol imperialer Macht war. Heute, inmitten eines globalen Goldpreisbooms, transformiert die Stadt ihr Wirtschaftsmodell: Vom reinen Rohstoffabbau hin zu erlebnisorientiertem Tourismus. Die Goldwaschanlagen ziehen täglich bis zu 40.000 Besucher an, die für das Abenteuer zahlen, Nuggets zu finden – eine Diversifikation, die die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffmärkten mindert (DW, 31.12.2025).

Diese Pivotierung ist strategisch klug. Während der Abbau durch Umweltauflagen und Erschöpfung von Vorkommen unter Druck gerät, schafft Tourismus stabile Einnahmen. Lokale Betreiber berichten von vollen Buchungen, und die Infrastruktur wird ausgebaut. Doch der Boom nährt sich aus dem Hype um hohe Preise: Jede gefundene Unze wird zum Symbol des Reichtums.

Die Zahlen unterstreichen den Erfolg:

  • Tägliche Besucher: ca. 40.000 (DW)
  • Jährliche Goldproduktion Zhaoyuan: Historisch führend in China
  • Wirtschaftseffekt: Neue Jobs in Hotellerie und Gastronomie

Dieser lokale Erfolg kontrastiert mit nationalen Herausforderungen und hebt die Resilienz chinesischer Regionen hervor, die sich an globale Trends anpassen.

Rekordhohe Goldpreise: Globale Treiber und 72-Prozent-Jahreszuwachs

Der Goldpreis hat 2025 ein historisches Jahr erlebt: Mit einem Jahreszuwachs von etwa 72 Prozent – dem stärksten seit 1979 – knackte er die 4.000-Dollar-Marke und erreichte am 29. Dezember ein Allzeithoch von 4.549,71 US-Dollar pro Feinunze (Mining.com). Spot-Gold-Futures notierten Ende Dezember bei 4.351 bis 4.381 Dollar (Mining.com).

Haupttriebe dieses Anstiegs:

  1. 01Geopolitische Unsicherheiten: US-Regierungs-Shutdown-Ängste und anhaltende Spannungen.
  2. 02Zentralbankkäufe: China und andere Nationen akkumulieren Reserven.
  3. 03Zinssenkungserwartungen: Die Fed signalisiert Lockerung, was Gold als Non-Yield-Asset attraktiv macht.
  4. 04Safe-Haven-Nachfrage: Inmitten globaler Turbulenzen.

Chinas Rolle ist zentral: Netto-Goldimporte über Hongkong mehr als verdoppelt im November 2025 gegenüber Oktober (Mining.com). Zijin Mining, Chinas größter Produzent, prognostiziert ein Nettoergebnis von bis zu 52 Milliarden Yuan (ca. 7,4 Mrd. USD) für 2025, +62 % YoY, und plant doppelstellige Ausbau der Produktion 2026 (Bloomberg, 31.12.2025).

> „Der Preisboom ist ein Weckruf für Diversifikation“ – implizit aus Branchenanalysen (Mining.com).

Analytisch betrachtet signalisiert dies einen Paradigmenwechsel: Gold kehrt als ultimative Wertspeicherin ans Licht, während Fiat-Währungen an Vertrauen verlieren.

Pekings geopolitische Goldoffensive: Reservenaufbau und Dollar-Entflechtung

China positioniert Gold als Eckpfeiler seiner geopolitischen Strategie, um die globale Abhängigkeit vom US-Dollar zu unterlaufen. Peking wirbt intensiv um die Lagerung internationaler Goldreserven im Land und hat seine eigenen Bestände bis Ende November 2025 auf 74,12 Millionen Feinunzen aufgestockt – ein leichter Anstieg gegenüber Oktober und der 13. aufeinanderfolgenden Monat mit Käufen (Mining.com).

Diese Akkumulation ist Teil eines breiteren Trends: Zentralbanken weltweit, angeführt von China, diversifizieren von Dollar-Anleihen hin zu physischem Gold. Netto-Importe via Hongkong mehr als verdoppelt im November (Mining.com). Strategisch zielt dies auf De-Dollarisierung ab, verstärkt durch Sanktionsrisiken und Handelskonflikte.

> „China nutzt Gold, um geopolitische Leverage zu gewinnen“ – aus Analysen zu Pekings Reserve-Politik (DW).

Die Implikationen sind profund: Ein stärkeres Gold könnte den Dollar schwächen, Inflation exportieren und globale Finanzströme umlenken. Für Investoren signalisiert dies anhaltende Attraktivität von Gold als Hedge gegen Währungsrisiken.

Wichtige Daten:

  • Offizielle Reserven: 74,12 Mio. oz (Nov 2025)
  • Kontinuierliche Käufe: 13 Monate
  • Internationale Lageranwerbung: Aktive Promotion durch Peking

Herausforderungen für Chinas Schmuckindustrie unter hohen Preisen

Während Produzenten und Touristen jubeln, leidet Chinas Schmuckindustrie – der weltgrößte Goldverbraucher – unter den rekordhohen Preisen. Der Anstieg auf über 4.000 Dollar pro Unze, gepaart mit schwachem Konsumsentiment und dem Auslaufen von Steueranreizen, drückt Margen und Umsätze (DW).

Verbraucher zögert bei Luxusgütern inmitten wirtschaftlicher Abkühlung; der Inlandsmarkt schrumpft. Fabriken in Guangdong und anderswo reduzieren Produktion, was zu Jobverlusten führt. Ironischerweise profitiert der Rohstoffsektor wie Zijin Mining mit +62 Prozent Gewinn (Bloomberg), während Verarbeiter leiden.

Analytische Perspektive: Dieser Dualismus offenbart Vulnerabilitäten in Chinas Gold-Ökosystem. Hohe Preise fördern Exporte, belasten aber den Binnenmarkt. Langfristig könnte dies zu Konsolidierung führen, mit Fokus auf High-End-Segmenten.

Schlüsselbelastungen:

  • Preisanstieg: +72 % YTD
  • Schwacher Konsum: Post-Pandemie-Effekte
  • Politische Änderungen: Entfallene Steuererleichterungen
  • Weltmarktanteil: China >30 % globaler Schmucknachfrage

Ausblick: Nachhaltigkeit des Goldrauschs in geopolitisch aufgeladener Welt

Der Goldrausch in Zhaoyuan symbolisiert einen tieferen Shift: Chinas ambitionierte Nutzung von Gold als Wirtschafts- und Machtfaktor. Vom lokalen Tourismusboom über Rekordpreise bis zur geopolitischen Reserveoffensive – der Trend unterstreicht Golds Renaissance als Safe-Haven in unsicheren Zeiten.

Trotz Belastungen für die Schmuckbranche deuten Zijins Prognosen und Pekings Strategie auf anhaltende Stärke hin. Globale Investoren sollten dies beobachten: Ein Preisrückgang durch Profit-Taking ist möglich, doch strukturelle Treiber wie De-Dollarisierung persistieren.

Was bedeutet das wirklich? In einer multipolaren Weltordnung gewinnt Gold an Zentralität, potenziell die Finanzarchitektur umgestaltend. Zhaoyuan erinnert: Wo Gold glänzt, lauern Chancen – und Risiken.